Zur Geschichte des Kindergottesdienstes in Westerstede


Der Kindergottesdienst in Westerstede kann auf eine über 100 jährige Tradition zurückblicken. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts trafen sich Kinder am Sonntagsmorgen regelmäßig von 11-12.00 Uhr und am Nachmittag die großen Mädchen von 14.00 – 15.00 Uhr in der St. Petri Kirche zu einem Gottesdienst für Kinder. Besonders für die Kinder aus den umliegenden Dörfern bedeutete diese ‚Stunde’ das ‚Highlight’ des Sonntags, denn viele von ihnen waren in der Landwirtschaft fest mit eingespannt, einige lebten sogar fern von ihren Familien auf fremden Höfen um überhaupt zu überleben. Der Sonntag war frei von Arbeit, jedenfalls für Stunden, und der Kindergottesdienst bot ein Angebot, diese freien Stunden an einem anderen Ort zu verbringen.

 

Und dieses Angebot wurde auch gern von den Westersteder Bürgerkindern angenommen – es bestand aus einer Mischung von Sonntagsschule, Kindergruppe und Missionarischem Feiern. Den festen liturgischen Rahmen gab der Kirchraum vor, die biblischen Geschichten selbst wurden bereits in Kleingruppen, dem Alter entsprechend, erzählt. Dass bis an die 100 Kinder kamen, war keine Seltenheit, und bald hatte jede Gruppe ihre feste ‚Ecke’ und ‚ihren Helfer’ in der Kirche. Besonderes Missionar Sommer und seine Frau haben diese Jahre geprägt. Der „nickende Neger“, eine Spardose, die den Kopf bewegte, wenn beim Einsammeln der Kollekte ein Geldstück hineingeworfen wurde (die Oldenburgische Kirche unterstützte schon früh die Kirche von Ghana und Togo), ist vielen älteren Westerstedern bis heute fest in Erinnerung. Frau Rust, Frau Wehmeyer Frau Dernedde und Frau Thien begleiteten u.a. die Kinder über viele Jahre, ebenso wie die Schwestern Kahl, die von 1927/28 – 1968 mit im Kindergottesdienst aktiv waren.

 

Sie waren es auch, die sich während der Zeit des Nationalsozialismus dafür stark machten, unterstützt von Pastor Chemnitz, der der bekennenden Kirche angehörte, dass die Gruppe für die großen Mädchen weiter bestand. Ein Ärgernis für die politische Jugendorganisation für Mädchen der NSDAP, dem BDM, denn zur gleichen Zeit fand auch ihr Treffen statt.

 

Nach dem Kriege hatte der Kindergottesdienst weiter regen Zulauf, gefördert zudem durch die große Gruppe der Vertriebenen mit ihren Kindern, die in Westerstede zu Hause wurden.

Langsam, mit der liturgischen Erneuerung in der Oldenburgischen Kirche, verbunden mit dem Namen Bischof Stählins, fanden verstärkt Elemente des Erwachsenen Gottesdienstes Eingang in den Kindergottesdienst, etwa das Beten des Psalms im Wechsel, das Gloria, das Erlernen von Bibelsprüchen und Gesangbuchliedern.

Das Konzept der „Evangelische Unterweisung“, das den Religions- und Konfirmandenunterricht bestimmte, erreichte nun den Kindergottesdienst.

 

Verbunden mit dem pädagogischen Aufbruch der Problemorientierung in der Religionspädagogik zog der Kindergottesdienst Anfang der 70iger Jahre ins neue, große Gemeindehaus um – dem Ort, an dem die Kinderkirche bis heute ihre Gottesdienste an jedem Sonntag feiert; außer in den Sommerferien. Die Uhrzeit ist nach wie vor von 11.00-12.00 Uhr. Der mehrfache Versuch, über parallele Gottesdienstzeiten Eltern und Kinder gemeinsam zum Gottesdienstbesuch zu motivieren, schlug fehl.

 

Seit 1967 wird ferner regelmäßig zu Familiengottesdiensten mit der Gemeinde, die oftmals vom Kindergottesdienst vorbereitet werden, in die St. Petri Kirche eingeladen.

Schulanfängergottesdienste, Schulschlussgottesdienste nach der Grundschulzeit, St. Martinslauf mit Gottesdienst, Reformationsgottesdienst für die Grundschulen, Tauferinnerungsgottesdienst und Krippenspiele verstärken die regelmäßige Verknüpfung mit dem gottesdienstlichen Feiern in der St. Petri Kirche.

 

Verantwortlich für den Kindergottesdienst und die Aus- und Weiterbildung der jugendlichen Mitarbeiter, ist seit 1990 Pastorin Karwath.


KiGo damals und heute - eine lebendige Geschichtsstunde mit Fr. Kahl